Man wird immer wieder und gar nicht zufällig von den Weisheiten oder Sprüchen gefunden.
Ich kenne eine Frau die sammelt diese Sprüche.
Sie schreibt sie auf diese gelben Klebezettel, die dann in der ganzen Wohnung angeklebt werden.
Eine weise Wohnung, in der sie wohnt.
Ich las vor ein paar Tagen: »Ein schönes Sterben, ehrt das ganze Leben.«
Und natürlich habe ich mir so meine Gedanken dazu gemacht. Es ist ja immer schnell dahin gesagt, dass man rechtzeitig Schluss macht, wenn man krank ist, um nicht leiden zu müssen. Natürlich habe ich auch schon einen Plan. Ob ich das aber so hin bekomme wie unten beschrieben, weiß ich nicht.
Eine kleine wahre Geschichte — von meinem Bruder Frank:
Es war an einem Sonntagabend im Juli 1993, in Borna nahe Leipzig.
In einer kleinen Neubauwohnung im sechsten Stock (ohne Fahrstuhl) saß Frank am Küchentisch.
Vor sich einen Block, einen Kuli, Zigaretten und einen Aschenbecher.
Wenn er allein in der Wohnung war, durfte er nämlich in der Küche rauchen und heute hatte seine Freundin Spätdienst.
Gerade eben hatte sie angerufen um Bescheid zu geben, dass sie noch eine Nachtschicht anhängen müsste.
Eine Kollegin wäre erkrankt und da sie die einzige Frau ohne Kinder sei, hätten man sie gebeten, einzuspringen.
Gut, dachte er, dann brauche ich heute kein Theater mehr zu spielen.
Er zündete sich eine Zigarette an, machte drei kräftige Züge, lehnte sich zurück und dachte nach.
War alles vorbereitet?
Das Hotelzimmer im besten Hotel von Leipzig war bestellt.
Die Prostituierte ebenfalls.
Es war allerdings ein ziemliches Problem gewesen, eine Prostituierte zu bestellen.
Die Richtige zu finden, ohne dass seine Freundin etwas merkte. Er hatte die ganzen Anrufe von zu Haus aus gemacht. Ein paar Mal hatte er nicht darauf geachtet, dass im Anzeigentext auch mit drin stand, dass auch Hausbesuche gemacht werden. Einmal als er wieder nicht aufgepasst hatte, war er bei einer Hotline gelandet. Er brauchte gar nichts sagen, nur zu zu hören. Ihm fiel fast der Hörer aus der Hand, als seine Freundin aus der Küche kam, irgendeine Frage stellte und dann meinte, er solle einen schönen Gruß bestellen. >Hmm, ja, mache ich.<>
Dann begann er den Brief zu schreiben.
Als er fertig war, faltete er ihn zusammen, steckte ihn in den Umschlag, klebte ihn zu, beschriftete ihn, klebte eine Briefmarke drauf und steckte ihn dann in die Innentasche seines Jacketts.
Nun war es Zeit etwas zu Essen.
Er bestellte sich eine große, doppelt belegte Pizza und zwei Flaschen Cola.
Nach dem Essen räumte er noch auf und wusch das Geschirr ab.
Danach legte er sich seine Sachen für den nächsten Tag heraus, holte sich eine Schlaftablette und ein Glas Wasser und ging ins Bett.
Heute Nacht wollte er nicht träumen, auch zum Nachdenken hatte er keine Lust.
Es war schon alles gedacht.
Er nahm eine Tablette, ließ die Packung auf dem Nachttisch liegen.
Falls er nochmal wach werden würde, könnte er noch eine nachschieben.
Als er am nächsten Morgen aufwachte, kam seine Freundin gerade nach Hause.
Sie war ziemlich müde nach der Doppelschicht.
Darum ging sie nur noch mal kurz ins Bad und dann ins Bett.
Das gemeinsame Frühstück musste heute ausfallen.
Ihm war es recht.
Er wusch und rasierte sich gründlich.
Dann suchte der die Flasche mit dem "guten" Rasierwasser.
Ein wenig war noch drin.
Er verbrauchte den ganzen Rest und ließ die Flasche dann auf dem Waschbecken stehen.
Heute würde er nur machen was er wollte.
Und er wollte die leere Rasierwasserflasche nicht wegräumen.
Er zog sich sorgfältig an.
Nach dem Frühstück kontrollierte er ob wirklich er alles eingepackt hatte.
Er hatte nämlich keine Lust, falls ihm unten noch etwas einfiel, die sechs Stockwerke nochmal hochzulaufen.
Die Schlaftabletten fehlten noch.
Er schlich sich ins Schlafzimmer, nahm sich die angefangene Packung und ließ auch hier das leere Wasserglas stehen.
Dann machte er sich auf den Weg.
Zuerst ging er jedoch zum Briefkasten, um den Brief einzustecken.
An der Bushaltestelle traf er ein paar Nachbarn und unterhielt sich mit ihnen, bis endlich der Bus kam.
In Leipzig angekommen, war es noch zu früh ins Hotel zu gehen.
Er schlenderte ein Weilchen durch die Stadt.
Irgendwann ging er zum Hotel und checkte ein.
Nachdem er seine Tasche ins Zimmer gebracht hatte, fuhr er runter ins Restaurant und ließ sich ein opulentes Mahl servieren.
Ehe er sich nach dem Essen in sein Zimmer zurückzog, rief er aus der Telefonzelle in der Hotelhalle nochmal in in Berlin an.
Bei seiner Schwester meldete sich nur der Anrufbeantworter.
Er wartete einen Moment, ob sich doch noch jemand meldete und entschied sich dann, nichts drauf zu sprechen.
In seinem Zimmer angekommen, bestellte er beim Zimmerservice eine gute Flasche Whisky, eine Flasche Champagner und etwas zum Knabbern.
Dann wartete er auf die Prostituierte.
Nachdem sie nach vier Stunden wieder ging, hatte sie alles wovon er immer geträumt hatte, für ihn getan.
Er duschte sich, zog sich wieder an, holte die Packungen mit den Tabletten und die Flasche Whisky.
Dann legte er sich auf das Bett.
Es war alles gesagt und getan.
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Am Mittwoch im Juli 1993 hatte ich auf meinem Anrufbeantworter von seiner Freundin folgende Nachricht:
'Hallo Ellen. Der Frank ist tot.
Er hat sich in einem teuren Hotelzimmer in Leipzig das Leben genommen.
Und stell Dir mal vor, er ist vorher noch teuer Essen gegangen und hat sich eine Nutte bestellt. Für die Nutte hätte er ja wirklich nicht noch Geld ausgeben müssen. Ruf mich doch heute noch zurück.'
Das habe ich nicht getan.
Ich kenne eine Frau die sammelt diese Sprüche.
Sie schreibt sie auf diese gelben Klebezettel, die dann in der ganzen Wohnung angeklebt werden.
Eine weise Wohnung, in der sie wohnt.
Ich las vor ein paar Tagen: »Ein schönes Sterben, ehrt das ganze Leben.«
Und natürlich habe ich mir so meine Gedanken dazu gemacht. Es ist ja immer schnell dahin gesagt, dass man rechtzeitig Schluss macht, wenn man krank ist, um nicht leiden zu müssen. Natürlich habe ich auch schon einen Plan. Ob ich das aber so hin bekomme wie unten beschrieben, weiß ich nicht.
Eine kleine wahre Geschichte — von meinem Bruder Frank:
Es war an einem Sonntagabend im Juli 1993, in Borna nahe Leipzig.
In einer kleinen Neubauwohnung im sechsten Stock (ohne Fahrstuhl) saß Frank am Küchentisch.
Vor sich einen Block, einen Kuli, Zigaretten und einen Aschenbecher.
Wenn er allein in der Wohnung war, durfte er nämlich in der Küche rauchen und heute hatte seine Freundin Spätdienst.
Gerade eben hatte sie angerufen um Bescheid zu geben, dass sie noch eine Nachtschicht anhängen müsste.
Eine Kollegin wäre erkrankt und da sie die einzige Frau ohne Kinder sei, hätten man sie gebeten, einzuspringen.
Gut, dachte er, dann brauche ich heute kein Theater mehr zu spielen.
Er zündete sich eine Zigarette an, machte drei kräftige Züge, lehnte sich zurück und dachte nach.
War alles vorbereitet?
Das Hotelzimmer im besten Hotel von Leipzig war bestellt.
Die Prostituierte ebenfalls.
Es war allerdings ein ziemliches Problem gewesen, eine Prostituierte zu bestellen.
Die Richtige zu finden, ohne dass seine Freundin etwas merkte. Er hatte die ganzen Anrufe von zu Haus aus gemacht. Ein paar Mal hatte er nicht darauf geachtet, dass im Anzeigentext auch mit drin stand, dass auch Hausbesuche gemacht werden. Einmal als er wieder nicht aufgepasst hatte, war er bei einer Hotline gelandet. Er brauchte gar nichts sagen, nur zu zu hören. Ihm fiel fast der Hörer aus der Hand, als seine Freundin aus der Küche kam, irgendeine Frage stellte und dann meinte, er solle einen schönen Gruß bestellen. >Hmm, ja, mache ich.<>
Dann begann er den Brief zu schreiben.
Als er fertig war, faltete er ihn zusammen, steckte ihn in den Umschlag, klebte ihn zu, beschriftete ihn, klebte eine Briefmarke drauf und steckte ihn dann in die Innentasche seines Jacketts.
Nun war es Zeit etwas zu Essen.
Er bestellte sich eine große, doppelt belegte Pizza und zwei Flaschen Cola.
Nach dem Essen räumte er noch auf und wusch das Geschirr ab.
Danach legte er sich seine Sachen für den nächsten Tag heraus, holte sich eine Schlaftablette und ein Glas Wasser und ging ins Bett.
Heute Nacht wollte er nicht träumen, auch zum Nachdenken hatte er keine Lust.
Es war schon alles gedacht.
Er nahm eine Tablette, ließ die Packung auf dem Nachttisch liegen.
Falls er nochmal wach werden würde, könnte er noch eine nachschieben.
Als er am nächsten Morgen aufwachte, kam seine Freundin gerade nach Hause.
Sie war ziemlich müde nach der Doppelschicht.
Darum ging sie nur noch mal kurz ins Bad und dann ins Bett.
Das gemeinsame Frühstück musste heute ausfallen.
Ihm war es recht.
Er wusch und rasierte sich gründlich.
Dann suchte der die Flasche mit dem "guten" Rasierwasser.
Ein wenig war noch drin.
Er verbrauchte den ganzen Rest und ließ die Flasche dann auf dem Waschbecken stehen.
Heute würde er nur machen was er wollte.
Und er wollte die leere Rasierwasserflasche nicht wegräumen.
Er zog sich sorgfältig an.
Nach dem Frühstück kontrollierte er ob wirklich er alles eingepackt hatte.
Er hatte nämlich keine Lust, falls ihm unten noch etwas einfiel, die sechs Stockwerke nochmal hochzulaufen.
Die Schlaftabletten fehlten noch.
Er schlich sich ins Schlafzimmer, nahm sich die angefangene Packung und ließ auch hier das leere Wasserglas stehen.
Dann machte er sich auf den Weg.
Zuerst ging er jedoch zum Briefkasten, um den Brief einzustecken.
An der Bushaltestelle traf er ein paar Nachbarn und unterhielt sich mit ihnen, bis endlich der Bus kam.
In Leipzig angekommen, war es noch zu früh ins Hotel zu gehen.
Er schlenderte ein Weilchen durch die Stadt.
Irgendwann ging er zum Hotel und checkte ein.
Nachdem er seine Tasche ins Zimmer gebracht hatte, fuhr er runter ins Restaurant und ließ sich ein opulentes Mahl servieren.
Ehe er sich nach dem Essen in sein Zimmer zurückzog, rief er aus der Telefonzelle in der Hotelhalle nochmal in in Berlin an.
Bei seiner Schwester meldete sich nur der Anrufbeantworter.
Er wartete einen Moment, ob sich doch noch jemand meldete und entschied sich dann, nichts drauf zu sprechen.
In seinem Zimmer angekommen, bestellte er beim Zimmerservice eine gute Flasche Whisky, eine Flasche Champagner und etwas zum Knabbern.
Dann wartete er auf die Prostituierte.
Nachdem sie nach vier Stunden wieder ging, hatte sie alles wovon er immer geträumt hatte, für ihn getan.
Er duschte sich, zog sich wieder an, holte die Packungen mit den Tabletten und die Flasche Whisky.
Dann legte er sich auf das Bett.
Es war alles gesagt und getan.
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Am Mittwoch im Juli 1993 hatte ich auf meinem Anrufbeantworter von seiner Freundin folgende Nachricht:
'Hallo Ellen. Der Frank ist tot.
Er hat sich in einem teuren Hotelzimmer in Leipzig das Leben genommen.
Und stell Dir mal vor, er ist vorher noch teuer Essen gegangen und hat sich eine Nutte bestellt. Für die Nutte hätte er ja wirklich nicht noch Geld ausgeben müssen. Ruf mich doch heute noch zurück.'
Das habe ich nicht getan.
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