Samstag mittags, die Hündin ist k.o. vom Toben und wir bewegen uns langsam wieder in Richtung Wohnung, müssen aber noch einen Zwischenstopp beim Supermarkt machen. Irgendwas fehlt immer. Die Sonne scheint auf die Vogelbeerbäume und es sieht aus, als würden die Bäume leuchten. Das könnte ein schönes Foto werden, hätte ich den Fotoapparat dabei. Himmlische Ruhe, kein Mensch weit und breit. Halt, doch, da vorn auf der linken Seite kommt ein Mann. Er versucht sich unsichtbar zu machen und sucht in den großen Aschenbechern, die seit dem Rauchverbot vor den Bürohäusern im DGZ stehen, nach Kippen. Er sieht nicht aus, wie jemand von dem man eh' annehmen würde, dass er nach Kippen sucht. Ich schaue weg, tue so als ob ich es nicht gesehen habe, damit es ihm nicht peinlich ist, aber es macht mich traurig und ärgerlich. Wenn er einen Job hätte, bräuchte er das nicht tun, denke ich. Wir gehen weiter und dann ist der Augenblick vorbei. Im Supermarkt trödle ich ein wenig rum, weil ich nicht mehr genau weiß was ich eigentlich noch kaufen wollte und, weil ich meine Brille vergessen habe und die Preise nicht so einfach erkennen kann. Dann habe ich es, gehe zur Kasse. Genau vor mir steht der Mann, den ich eben im DGZ gesehen habe. Er gibt einen Flaschenpfandzettel ab und bekommt 8 Cent. Mich durchfährt es wie ein Blitz, keine Ahnung was das ist. Er geht, Die Kassiererin sieht mich irgendwie seltsam verschwörerisch an, so als sollte ich ihr bei irgendwas zustimmen. Ich ignoriere das und sie schiebt meine Sachen über das Band. Ich lege einen Zehner auf den Tresen und laufe dem Mann hinterher. Rufe ihn ein paar mal, dann bleibt er stehen, ich greife in meine Jackentasche ziehe seine Hand zu mir heran, lege ein Zweieurostück rein. Mehr hab ich grade nicht mehr hier. Er sieht mich freundlich und verdutzt an, will das Geld nicht, natürlich nicht. Ich sage ihm, ich verstehe das, mir geht es manchmal auch so. Drehe mich um, gehe wieder in den Supermarkt und beende meinen Einkauf. Die Leute meckern natürlich, weil ich eine Minute weggelaufen bin. Ist mir egal. Dann gehen wir endgültig nach Hause. Ich überlege, was ich da eben mal wieder gemacht habe. Was solls, hoffentlich hat es ihm genutzt. Und...
Da war so ein winziger Augenblick von Nähe und verstehen, als ich seine Hand nahm und wir uns kurz in die Augen schauten. So menschlich, das hat mich berührt.-------------------------------
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